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SXSW 18: Wie behalten wir die Konsequenzen unserer Produktinnovationen im Blick?

Die SXSW 18 ist fast vorbei, und man könnte meinen, es ist genug gesagt. Aber wer selbst gerade erst aus Austin zurückgekehrt ist und einen Beitrag für einen Innovationsblog schreibt, kann dieses Ereignis nicht so einfach ignorieren. Dafür sind die Eindrücke allzu frisch und viel zu stark, und zu bedeutend. Im Gegensatz zum letzten Jahr geht es mir aber weniger um einzelne Aspekte oder Berichte von den Sessions, sondern um das große Ganze, das insgeheime Leitthema der diesjährigen Versammlung von ein paar hunderttausend Menschen aus Film, Tech, Musik und Medien:

In jeder Podiumsdiskussion, in jedem Vortrag, in (fast) jedem Gespräch, das ich am Rande führen konnte, ging es im Kern um die Frage, wie wir in unseren professionellen Rollen und Funktionen unserer Verantwortung gerecht werden. Wie stellen wir sicher, dass wir bei aller Begeisterung für neue Technologien und neue Marktchancen die möglichen Konsequenzen unserer Produktinnovationen im Blick behalten?

Eine unglaublich wichtige Fragestellung, die bei Themen wie Künstliche Intelligenz oder bei Betrachtung der übermächtigen Tech-Plattformen schon lange und ganz selbstverständlich diskutiert werden. Diese Debatte ist also nicht neu, schon gar nicht bei uns in Europa.

Neu ist vielmehr die geteilte Einsicht, dass es nicht nur um diese offensichtlichen, großen Herausforderungen geht, sondern dass jeder einzelne von uns auch in weniger prominenten Kontexten aktiv an der Gestaltung unserer Zukunft beteiligt ist, und damit entsprechende Verantwortung trägt.

SXSW 2018 Klaus-Peter Frahm und Wolfgang Wopperer-Beholz
Klaus-Peter Frahm, Leiter des dpa-Innovationsmanagements, und Wolfgang Wopperer-Beholz auf der SXSW 2018.

Was ich damit meine, haben mein geschätzter Co-Speaker Wolfgang Wopperer-Beholz und ich in unserem SXSW-Vortrag How Product Thinking Shapes Our Future thematisiert, und zwar mit einer relativ trivialen Argumentation:

Jede Situation, die wir im Alltag erleben, jeder Raum, in dem wir uns bewegen, ist geprägt von unzähligen Produkten, die uns umgeben.

Um diesen Punkt deutlich zu machen, haben wir dem Publikum vorgerechnet, wie viele Produkte sich aktuell im Saal befinden. Tatsächlich etwa 60.000, die logischerweise irgendwann in zurückliegender Zeit entwickelt, produziert und vermarktet wurden (hier geht es zur Herleitung dieser Zahl).

Bei dieser schieren Menge von Produkten müssen es mehrere tausend Leute gewesen sein, die mit ihren Entscheidungen bei der Entwicklung, Produktion oder Vermarktung dieser 60.000 Produkte den gegenwärtigen Ort (Hilton Austin Downtown, Salon K, am 11. März um ca. 14:30 Uhr lokaler Zeit) geprägt haben. Einige mehr, andere weniger.

Und ja, dieser Umstand ist prinzipiell übertragbar auf jeden Ort, auf jede Situation, in der wir uns befinden.

So wie also die Produktinnovationen von gestern unserer Gegenwart ihr Gesicht geben, werden die Produktinnovationen, an denen wir heute arbeiten, unsere künftigen Umfelder gestalten. Dabei spielt es keine Rolle, wie groß oder klein, sichtbar oder unsichtbar diese Produkte sind. Denn jedes Detail erzeugt Wirkung.

Wir alle sind am Prozess von der Produktidee bis hin zur Nutzung des fertigen Produkts beteiligt. Damit tragen wir alle auch Verantwortung für die Gestaltung von Zukunft.

So banal das vielleicht klingen mag, auf der SXSW erzeugte diese Argumentation ein gewisses Aha-Erlebnis, und eine spürbare Neugier auf Ansätze, wie sich diese Erkenntnis operationalisieren lässt. Nicht ganz unerwarteterweise hatten wir eine Antwort im Angebot, sie lautet Product Thinking.

Hinter diesem Begriff verbirgt sich ein Denkmodell, eine Methodik für Design und Steuerung von Produktinnovationen. Entscheidendes Prinzip ist die systematische Betrachtung des gesamten Kontextes einer Produktinnovation in all ihrer Komplexität. Das heißt also auch das methodische Aufspüren möglicher Konflikte zwischen den Zielen des Unternehmens samt seiner Stakeholder und den Bedürfnissen der Menschen, die das Produkt nutzen. Denn es besteht immer die Gefahr, dass Produkte, die zunächst einen guten Eindruck machen, in der Konsequenz eine negative Wirkung entfalten.

In der dpa-Gruppe setzen wir verstärkt auf die Prinzipien des Product Thinking, und es wäre mir eine große Freude, unsere Erfahrungen mit Branchenkolleginnen und -kollegen zu teilen.

Und wer sich gern in das Thema einlesen möchte, dem oder der empfehle ich die Lektüre des Referenzleitfaden zum Product Field, einem praktischen Werkzeug für gemeinschaftliches Product Thinking.

Notizblock

Internet
productfield.com

Kontakt
Twitter: @kpfrahm
LinkedIn: Klaus-Peter Frahm

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