Beyond the newsroom – das Konzept für die neue dpa-Zentrale in Berlin - dpa innovation
Redaktion

Beyond the newsroom – das Konzept für die neue dpa-Zentrale in Berlin

Der Bau eines Newsrooms ist stets ein schwieriges Unterfangen für Medien. Das Konzept soll das Beste aus dem Bestehenden bewahren und gleichzeitig viele Möglichkeiten für die Zukunft bieten. Bei dem aktuellen Projekt Neubau des Berliner Newsrooms der Deutschen Presse-Agentur kamen die äußeren Umstände der Corona-Pandemie hinzu, die Probleme, aber vor allem Chancen bargen.

Denn der nach den acht Lichthöfen des Gebäudekomplexes benannte Raum „X8“ in der ehemaligen Axel-Springer-Passage in Kreuzberg bot die einmalige Möglichkeit, auf die Erkenntnisse des Arbeitens unter den außergewöhnlichen Bedingungen der Pandemie zu reagieren. So spielten bei der Konzeption nicht nur die begründeten Annahmen zum künftigen Arbeiten im digital transformierten Journalismus bei der dpa und ihren Kunden eine Rolle, sondern auch die vielfältigen Lehren aus der sogenannten hybriden Arbeitswelt.

Damit ist dpa Trendsetter der Branche. Andere große Projekt der letzten Jahre wie der ARD-Newsroom in Hamburg oder der Berliner Springer-Neubau wurden vor der Pandemie geplant und ihre Ergebnisse müssen mitunter bereits wieder angepasst werden.

Die Planung für den Newsroom begann auf dem Höhepunkt der ersten pandemischen Welle 2021. Der Mietvertrag für die etwa 2600 Quadrameter im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss des Gebäudes folgten zum Jahreseingang 2022. Die Fläche verringerte sich im Vergleich zum bisherigen Newsroom im fünften Stock des Gebäudekomplexes um etwa 1200 Quadrameter. Die Architektenauswahl (die Berliner Firma Graef) fand ebenfalls zum Jahresende 2021 statt.

 

 

Fertiggestellt wurde der Raum Anfang Juni 2023 – nur wenige Monate nach dem „Freedom Day“ und der von der Politik erklärten Beendigung des Corona-Ausnahmezustands in Deutschland. Das Projekt wurde permanent durch die Unsicherheit von Materialverfügbarkeit und inflationärer Preisentwicklung flankiert.

Eine absolute Ausnahmesituation war also neben der digitalen Transformation zusätzlicher Treiber der Veränderung. Das bietet die erwähnten Chancen. Hieß aber auch: Wir betreten planerisches Neuland.

Die größte Chance war klar: Change und Chance unterscheiden sich nur in einem Buchstaben. Die Belegschaft der dpa hat sich an neue Arbeitsweisen wie die Remote-Arbeit aus dem mobilen Office gewöhnt und sie möchte das nicht mehr missen. Wo man in welchem Umfeld mit wem wie zusammenarbeitet, ist für viele Talente der entscheidende Bewegpunkt für, aber eben auch gegen einen Arbeitgeber.

Die dpa-Chefredaktion wiederum verfügt so gerade in Großlagen wie dem Ukraine-Krieg über einen weltweit via Zoom und Slack zuschaltbaren Personalpool, der früher aufwendig geplant und mit zusätzlichen Kosten für Transport und Logis in Berlin hätte konzentriert werden müssen.

 

Die neue dpa-Zentrale ist eine zeitgemäß ausgestattete Begegnungs- und Arbeitsfläche für den Journalismus des 21. Jahrhunderts

 

Mitarbeitenden-Befragungen, die in 2022 geschlossene Konzern-Betriebsvereinbarung, vor allem aber das Verhalten der Beschäftigten seit der vorsichtigen Wiedereröffnung der dpa-Büroflächen im alten Newsroom signalisieren deutlich den Wunsch nach größtmöglicher Flexibilität bei der Gestaltung der eigenen Arbeit. Ermutigt wurde das Planungsteam um Changemanagerin Susanne Goldstein und Nachrichtenchef Daniel Rademacher durch die Tatsache, dass die Produktivität nicht nachgelassen hat – eher im Gegenteil.

Gleichzeitig wuchs die Offenheit auch für technische Veränderungen der eigenen Arbeit. So sind digitale Teamschalten Standard und nicht mehr Ausnahme wie vor der Pandemie. Daher war klar: Diese neugewonnene Flexibilität muss sich auch im neuen Raum der dpa in der Rudi-Dutschke-Straße 2 in Berlin-Kreuzberg abbilden. Ein Briefing von Chefredakteur Sven Gösmann für die Architekten trug prompt den Titel: „Beyond the newsroom“.

 

Im neuen Studio werden Beiträge und Sendungen in TV-Qualität produziert. (Foto: Michael Kappeler)

Teamgrenzen sollen überwunden, Silos der Zusammenarbeit eingerissen und agilere Angänge an die zunehmend multimedial zu bewältigende Arbeit abgebildet werden. Das im Testbetrieb laufende multimediale, seit 2019 entwickelte Redaktionssystem „Rubix“ ist der in Software programmierte Ausdruck dieses Ansatzes.

„Rubix“ ist der Spiegel der strategischen Entwicklung der dpa-Produktwelt in den vergangenen Jahren: ein integriertes Preismodell für Print- und Online-Reichweiten, Ausbau der Videoversorgung, Podcasts, Renovierung der Weblines, Implementierung des Magic-Marketplace-Gedankens für das gesamte dpa-Produktportfolio, unter anderem auf der neugestalteten Kundenseite dpa-news.

Die Einführung des Shared-desk-Prinzips über die gesamte dpa-Gruppe in Hamburg, Frankfurt und Berlin tut ein Übriges. Sie wird unterstützt durch die Bereitstellung der Softphone-Telefonie via Zoom und Microsoft 365, beides Servicethemen, die für Mobilität der Arbeit stehen.

 

In drei Audiostudios nimmt die dpa Sendungen, Beiträge und Podcasts auf. (Foto: Michael Kappeler)

Auch die Umstellung der Konzernsteuerung auf die OKR-Methode dient dem Zweck der wachsenden Agilität und Anpassungsfähigkeit an dynamischere Marktszenarien. Denn der journalistische Pop-up-Store gewinnt neben dem klassischen Geschäft an Bedeutung: ob nun als Kuratierungsauftrag, Governance-Angebote oder News-Podcasts für Publisher.

Im neuen Raum in Berlin findet die gewachsene Bedeutung der Flexibilität in der Raumplanung wie der technischen Ausgestaltung Ausdruck: Alle 112 festen Desk-Arbeitsplätze wie die 56 Arbeitsmöglichkeiten, die an einen Co-Working-Space erinnern, sind voll multimedial arbeitsfähig, d.h. für die Verarbeitung größerer Datenmengen ausgestattet.

Dazu kam der Gedanke, den neuen Raum für den zuletzt auf der dpa-Chefredaktionskonferenz im Februar 2023 mit Rekordbeteiligung wieder zu besichtigenden starken Wunsch der Kunden nach Begegnung auszustatten. Workshop- und veranstaltungsfähige Begegnungsflächen für externe wie interne Besucher wurden als zentrale Bestandteile geschaffen. Die Nähe zu den TV- und Audio-Studios ist dabei beabsichtigt. Prominente Gäste sollen in allen journalistischen Möglichkeiten abgebildet werden, nicht mehr länger nur in Text und Foto.

 

Begegnung ermöglichen, Austausch stärken, Kreativität fördern: Das ermöglicht der neue dpa-Newsroom in Berlin. (Foto: Michael Kappeler)

Wichtig aber ist auch, den Ort für die Beschäftigten attraktiv zu machen, etwa durch den Einbau einer hauseigenen Cafeteria. Wer sich entscheidet, in den Newsroom zu pendeln, braucht mehr als den bei der dpa immer schon ausreichend ausgestatteten Schreibtisch. Er sucht Anregung durch Begegnung, Kreativität durch Gemeinsamkeit. Präsenz kann man verordnen, wie das viele Medienorganisationen derzeit tun. Sie tatsächlich durchzusetzen, ohne ihren Wert zu definieren, dieser Angang ist in der Pandemie entlarvt worden.

So ist die neue dpa-Zentrale eine zeitgemäß ausgestattete Begegnungs- und Arbeitsfläche für den Journalismus des 21. Jahrhunderts. Die eingebaute Flexibilität bietet auch geschäftliche Freiräume. Nichts ist durch die Lage von Bodentanks auf ewig festgelegt. Neue Produkte erfordern neue Räume? X8 kann das. dpa kann das jetzt auch.

 

Im Newsroom gilt das Shared-Desk-Prinzip. Trotzdem hat jedes Redaktionsteam auch eigene Ankerplätze, die fest reserviert sind. Hier das Sport-Team. (Foto: Michael Kappeler)

 

Daniel Rademacher (Nachrichtenchef) und Susanne Goldstein (Changemanagerin) haben Planung, Aufbau und Bezug des neuen Newsrooms maßgeblich gesteuert. (Fotos: Michael Kappeler)

 

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